Spezialisierung

minimal-invasive Wirbelsäulen-Schmerztherapie

Dr. Beckert besitzt eine mehr als 15-jährige Erfahrung auf dem Gebiet der Schmerztherapie von Wirbelsäulen- und Bandscheibenerkrankungen, welche zu den häufigsten Volkskrankheiten zählen sowie oft mit einem sehr hohen Leidensdruck für die Patienten verbunden sind.

In unserer Praxis kommen komplikationsarme „minimal-invasive“ Therapiemethoden zum Einsatz, welche dem aktuellen Stand der modernen Medizin und Schmerztherapie entsprechen. Minimal-invasiv bedeutet, dass die betroffenen Strukturen – wie Nervenwurzeln, Bandscheiben oder Wirbelgelenke – nur mittels spezieller Injektionstechniken oder mittels Einbringung dünner Sonden und Katheter zielgenau, komplikationsarm und wirksam behandelt werden. Diese „Micro-Therapie“ kommt völlig ohne Skalpell aus und erfordert lediglich kleine Einstiche. Sie kann überwiegend ambulant und sehr schonend unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Für die genaue Lokalisation werden dabei moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen-Bildwandler-Durchleuchtung, Computertomographie sowie seltener auch die Kernspin-Tomographie (MRT) eingesetzt.

Dank der minimal-invasiven Techniken sowie begleitender Krankengymnastik und Physiotherapie, konnte die Zahl der operativen Eingriffe deutlich gesenkt werden. Dennoch gibt es auch an der Wirbelsäule bestimmte Krankheitsbilder, bei welchen sich ein operatives Eingreifen empfiehlt oder in seltenen Fällen sogar dringend notwendig ist, um schwerwiegende Komplikationen oder Dauerschäden zu vermeiden. In einem solchen Fall können wir Sie ebenso kompetent beraten und an einen der führenden Ärzte mit operativer Spezialisierung weiter empfehlen.

minimal-invasive Therapieverfahren

Unter einer Facettenblockade versteht man eine gezielte schmerzstillende und entzündungshemmende Injektion in oder um die Wirbelgelenke („Facettengelenke“). Hierdurch können chronische und zumeist verschleißbedingte Schmerzzustände aller Wirbelsäulenabschnitte gelindert oder oft sogar lang anhaltend beseitigt werden. Die Facettenblockade wird ambulant sowie überwiegend unter Kontrolle mittels Röntgen-Durchleuchtung (Bildwandler), Computertomografie oder Ultraschall durchgeführt und kann bei entsprechender Indikation auch mit weiteren der hier genannten Verfahren kombiniert werden.

Um nach einer Facettenblockade eine anhaltende Wirkung zu unterstützen, ist ein regelmäßiges Training der wirbelsäulen­stabilisierenden Muskulatur sinnvoll. Zusätzlich empfiehlt sich oft eine Denervierung der schmerzleitenden Nervenfasern an den Wirbelgelenken mittels einer speziellen Thermosonde, da diese in der Regel eine sehr lang anhaltende Schmerzreduktion bringt und dadurch auch die häufige Einnahme von schmerzstillenden Medikamenten vermieden werden kann.

Dort wo eine Facettenblockade kurzfristig zur Schmerzreduktion geführt hat, aber eine weitere Behandlung mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (z. B. Diclofenac, Ibuprofen und Kortison) nicht sinnvoll ist, können die betroffenen Wirbelgelenke mittels einer Spezialsonde (“Thermosonde”) unempfindlich gemacht werden. Hier werden die schmerzleitenden Nervenfasern der Wirbelgelenke in einem umschriebenen Bereich von maximal 10mm Länge computerüberwacht auf 80-85 Grad Celsius erhitzt, was zu einer Unterbrechung der Weiterleitung von Schmerzinformationen führt. Die Wirkung hält bei den meisten Patienten sehr lange an (oft mehr als 1,5 Jahre) und kann durch Wiederholung des Eingriffes deutlich verlängert werden. Dieses Verfahren ist sehr schonend und komplikationsarm und wird in der Praxis ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Die exakte Positionierung der Sonde erfolgt unter Bildkontrolle mittels C-Bogen (digitale Röntgen-Durchleuchtung mit geringer Dosis).

Wenn eine Nervenwurzel im Wirbelkanal oder an deren Austritt zwischen den Wirbeln eingeengt wird, führt dies oft zu Missempfindungen, ausstrahlenden Schmerzen und teilweise auch zu Lähmungserscheinungen an den Extremitäten, welche oft als Kraftabschwächung – zum Beispiel bei der Fußhebung, beim Zehenstand oder beim Greifen und Halten – empfunden werden. Durch eine gezielte Injektion um die Nervenwurzel (periradikulär) mit entzündungshemmenden und abschwellenden Medikamenten, können die genannten Symptome zumeist schnell zum Abklingen gebracht werden. Wenn die alleinige Umspritzung der Nervenwurzel nicht ausreicht, kann eine epidurale Injektion eingesetzt werden. Hierbei werden die entzündungshemmenden Substanzen direkt in den Wirbelkanal injiziert, wo sie nahe an der Ursache ihre Wirkung optimal entfalten können. Diese Behandlungen sind sehr komplikationsarm und werden fast ausschließlich ambulant durchgeführt.

Einspritzung von entzündungshemmenden, abschwellenden und schmerzstillenden Medikamenten in den Epiduralraum. Der Epiduralraum ist vereinfacht ausgedrückt der Raum zwischen der Wand des Wirbelkanals und der mit Hirnwaser (Liquor) gefüllten Hülle, in welcher sich die Nervenbahnen befinden. Epidurale Injektionen können z. B. bei Bandscheibenvorfällen mit Nervenwurzelreizungen oder bei einer Einengung des Wirbelkanals (Spinalstenose) sinnvoll sein. Wie die meisten der genannten Therapieverfahren, kann eine epidurale Injektion bei uns jederzeit im Rahmen der Sprechzeiten ambulant in den Praxisräumen durchgeführt werden. Der Eingriff erfolgt unter Lokalanästhesie und ist in der Regel weitestgehend schmerzfrei. Für die anschließende Überwachung und Entspannung steht Ihnen ein angenehmer Ruheraum zur Verfügung.

Diese Technik ist eine Form der epiduralen Injektion, bei welcher jedoch in den Epiduralraum eine spezielle und sehr dünne Sonde (Katheter) eingebracht und bis zu drei Tagen belassen wird, so dass die Medikamente mehrmals ohne erneuten Eingriff nachgespritzt werden können. Professor Gabor Racz hat dieses Verfahren 1989 am Pain-Management-Institut an der Universität in Lubbock/Texas/USA entwickelt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Epiduralkathetern, die aus einem sehr dünnen Kunststoffschlauch bestehen und nur relativ ungezielt in den Epiduralraum eingebracht werden können, besteht der Katheter nach Racz aus einem Spezialmaterial (vergleichbar mit einer hohlen Spiralfeder), welches von geübter Hand präzise bis an den Bandscheibenvorfall und die komprimierte Nervenwurzel herangeführt werden kann. Dadurch ist es möglich, dass die Medikamente leichter bis an den Ort der Schmerzursache gelangen und auch im günstigsten Fall, durch Einspritzen mit dosiertem Druck, entzündliche Gewebsverklebungen ohne Operation aufgedehnt oder gar gelöst werden. Eine komplette Entfernung von möglichem Narbengewebe ist jedoch nicht möglich.

Da der Racz-Katheter nach der Einführung in Deutschland wegen der Einspritzung von hoch konzentrierter 10%iger Kochsalzlösung oft der Kritik ausgesetzt war, setzen wir nur noch Kochsalzlösung in physiologischer Konzentration von 0,9% ein, was eine vergleichbar gute Wirkung hat, bei jedoch deutlich geringerem Komplikationsrisiko und erheblich reduzierter Schmerzwahrnehmung beim Einspritzen!

Der Katheter (modifiziert nach Racz) wird vor allem bei nicht befriedigender Wirkung von epiduralen Injektion mittels Einmalkanüle eingesetzt und ist auch bei Vernarbungen nach Bandscheibenoperation eine mögliche Therapieoption, weiterhin bestehende postoperative Schmerzen und Nervenwurzelreizungen (Postnukleotomie-Syndrom) zu lindern. Einen generellen Einsatz der Kathetertechnik als interventionelle minimal-invasive Standardtherapie bei Nervenkompressionssyndromen der Wirbelsäule können wir nicht befürworten, auch nicht in nach anderen Ärzten benannter modifizierter Form. Oftmals sind epidurale Injektionen ohne Katheter völlig ausreichend.

Gedeckte Bandscheibenvorfälle oder Bandscheibenvorwölbungen (Protrusionen) bilden die Vorstufe eines Bandscheibenvorfalles und können oftmals sehr schmerzhaft sein. Der Grund dafür ist, dass der aus Knorpel bestehende äußere Faserring der Bandscheiben Risse bekommt und sich die innere weiche Bandscheiben-Substanz, der sog. Gallert-Kern (Nucleus pulposus), nach außen bzw. in Richtung Wirbelkanal vorwölbt, was schließlich empfindliche Nerven reizen und Schmerzen verursachen kann. Durch Druckerhöhung, wie z. B. beim Niesen, Husten oder Pressen, wird dieser Effekt verstärkt. Mittels verschiedener minimal-invasiver Methoden kann eine Druckreduktion innerhalb der Bandscheibe mit dem Ziel der Schmerzlinderung erreicht werden.

Die für die genannte Indikation in Frage kommenden Techniken, werden als intradiscale Verfahren bezeichnet, da sie ihre Wirkung innerhalb der Bandscheibe (intradiscal) entfalten. Sie können dann indiziert sein, wenn sich durch Belastungsreduktion und stabilisierendes Training, Krankengymnastik sowie Physiotherapie keine Linderung erreichen lässt und wenn auch andere Therapien nicht zum Erfolg führen. Dennoch sind auch den intradiscalen Verfahren Grenzen gesetzt, denn Verschleiß lässt sich leider immer noch nicht umkehren. Es existieren zwar einige neue Methoden, welche auf die Stabilisierung oder gar Regeneration der Bandscheibe abzielen, doch ist die Studienlage hierzu noch nicht ergiebig genug und die Langzeitfolgen dadurch oft noch nicht absehbar. Daher sind wir zurückhaltend bei allen minimal-invasiven Methoden, welche innerhalb der Bandscheibe angewendet werden. Diese Zurückhaltung ist zusätzlich auch dadurch begründet, dass die Bandscheiben durch die verminderte Durchblutung (und dadurch verminderte Abwehr von Krankheitserregern) einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Es muss daher bei Eingriffen innerhalb der Bandscheiben auch auf das Risiko der Entstehung einer Spondylodiszitis (Infektion bzw. Vereiterung der Bandscheiben und angrenzenden Wirbelkörper) hingewiesen werden, welches zwar selten ist, aber dennoch bei der Indikationsstellung bedacht werden muss!